Augenrötung, Fremdkörpergefühl, Kratzen, Brennen, Schleimfluss, aber auch Tränenfluss, infolge einer gestörten Benetzung sind Symptome, die auf das Krankheitsbild „Trockenes Auge“ hinweisen. Eigentlich ist die Keratokonjunctivitis sicca (dies ist genaue Bezeichnung der Krankheit) eine Störung der Benetzung der Augenoberfläche. Meist hervorgerufen durch eine Verminderung der Tränenmenge oder einer veränderten Zusammensetzung des Tränenfilms. Die Krankheit kann aber auch Folgeerkrankung bei schon bestehender Augenkrankheit oder einem allgemeinen Leiden sein.

Warum haben wir überhaupt Tränenflüssigkeit? Die Tränen sind eine sehr kompliziert aufgebaute Flüssigkeit mit der Aufgabe, die Augenoberflächen (genau die Lidinnenseite), die Bindehaut und die Hornhaut zu benetzen. Die Tränenflüssigkeit besteht neben Wasser aus verschiedenen Proteinen, Immunglobulinen und Enzymen (darunter dem Lysozyme), sowie anorganischen und stickstoffhaltigen Substanzen, Kohlenhydraten und Kochsalz.

Durch die Tränenflüssigkeit wird die Oberfläche des Augapfels glatt und geschmeidig und eine gute Sehfunktion ermöglicht. Die Produktion der Tränen unterliegt erheblichen Schwankungen im Laufe des Tages. Die Produktion steuert unser Körper neurovegetativ, nimmt mit zunehmendem Lebensalter ab, wobei Frauen davon mehr betroffen sind und Raucher/Innen noch mehr.

Der gesunde Tränenfilm enthält keimtötende Substanzen und kann vor Infektionen schützen, denn das Auge ist ständig verschiedensten Außeneinflüssen ausgesetzt. Bei trockenem Auge besteht ein erhöhtes Infektionsrisiko. Unser „Fenster zur Außenwelt“ die Hornhaut möchte gepflegt werden, um zu funktionieren. Die Hornhaut hat keine Blutgefäße. Sie muss mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden. Der Sauerstoff kommt aus der umgebenden Luft direkt an den Tränenfilm und so zur Hornhaut. Ist der Tränenfilm verändert funktioniert die Sauerstoffversorgung nicht mehr und muss über die Bindehaut erfolgen. Dies ist der Fall bei Erkrankungen oder auch beim Schlafen und man kann es dann an den lokalen Augenlidschwellungen und dem „roten“ Auge deutlich erkennen.  Hier dürfen keine „gefäßverengenden Augentropfen“ angewendet werden, diese produzieren langfristig erst recht ein „Trockene Auge“. Der Gang zum Augenarzt wird da dringend empfohlen.

Es gibt auch eine Reihe von Erkrankungen, die an der Ausbildung zum „Trockene Auge“

mit verantwortlich sind. Allem voran die Zuckerkrankheit, Erkrankungen der Schilddrüse, chronisches Rheuma, Hautkrankheiten, aber auch neurologische Erkrankungen und Verletzungen der Augenlider oder Augenoperationen können Ursachen sein. Warum ist das so? Die Bindehaut des Auges, die an der Produktion des Tränenfilms beteiligt ist, gehört auch zum komplexen Immunsystem unseres Körpers. Viele immunologisch definiert Erkrankungen gehen daher auch mit einem „Trockene Auge“ einher.

Ebenso greifen manche Medikamente in den Vorgang der Tränenproduktion ein und verändern diesen (siehe Tabelle 1). Häufig kommt es während der Einnahme von Psychopharmaka, Schlafmitteln, Beta-Blockern oder Hormonen zu Veränderungen des Tränenfilms.

Besonders jetzt im Sommer/Herbst, wenn es im Freien heiß, staubig und trocken ist, wenn der Ozon-Wert steigt, oder wenn eine hohe Abgasbelastung vorherrscht, verändert sich der Tränenfilm und die genannten Beschwerden treten in den Vordergrund. Auch Zugluft, Autogebläse, oder überlange Bildschirmarbeit führen zur Tränenfilmstörung. Im Winter, bei geheizten, sehr trockenen Räumen ist das „Trockene Auge“ sehr häufig, da es zu einer starken Verdunstung des Tränenfilms kommt. Große Probleme haben auch Kontaktlinsenträger. Patienten, die am „Trockenen Auge“ leiden, sollten das Tragen von Kontaktlinsen unbedingt mit dem Augenarzt abklären.

Die Behandlung des „Trockenen Auge“ geschieht meistens mit speziellen Augentropfen,  sogenannten: Künstlichen Tränen, mit denen die Symptome der Benetzungsstörung der Augenoberfläche gebessert werden können. Individuell werden die Wirksamkeit und die Verträglichkeit der verschiedenen Tränenersatzmittel von den Patienten sehr unterschiedlich empfunden. Daher ist es sehr empfehlenswert mehrere Produkte auszuprobieren und das individuell geeignetste herauszufiltern. Patienten, die ständig Probleme haben, sollten dickflüssige Präparate verwenden, während dünnflüssige Produkte eher für die gelegentliche Anwendung sinnvoll sind. Die Viskosität (dünnflüssig oder dickflüssig) wird von den Patienten unterschiedlich bewertet. Auch können Patienten mit Allergien auf konservierungsstofffreie Augentropfen zugreifen. Diese sind dann meistens in Einmalbehältnissen abgepackt und nach Öffnen der Einmalophtiole zügig (innerhalb 24 Stunden) aufzubrauchen. Lassen Sie sich hier ruhig in der Apotheke über die Vielfalt an Produkten beraten – manche Hersteller bieten auch Probiergrößen an.

Die Stoffklassen typischer „künstliche Tränen“ sind in der Tabelle 2 vorgestellt. Ebenso variiert man mit der Viskosität der Zubereitungen. Dies reicht meistens zur Symptomlinderung der leichten Formen des „Trockenen Auges“

aus. Oft sind diese Stoffe auch Mittel der Selbstmedikation, wenngleich hier der Gang zum Augenarzt nicht ausbleiben sollte. Für die schwereren Formen hat der Arzt noch einige Möglichkeiten.

Eine Entzündung in den Talgdrüsen der Lidränder geht meist mit einem Sekretionsstau einher. Hier sollte dann das in den Talgdrüsen gestaute Fett mit Waschungen und einer speziellen Massage verflüssigt werden.

Rosacea ist eine chronische Hauterkrankung. Insbesondere im Gesichtsbereich ist diese durch eine Veränderung der Talgdrüsenfunktion gekennzeichnet. Hier entsteht das „Trockene Auge“ durch eine chronische Lidrandentzündung und Bindehautreizung.

Systemisch wirkende Arzneimittel, also Medikamente, die eingenommen werden, gibt es (noch) nicht. Die Forschung ist aber sehr aktiv am Thema dabei. Ein Ansatz ist die Gabe von Omega 3-Fettsäuren, die das Auftreten des „Trockenen Auges“ verringern.

Scheuen Sie sich nicht beim Auftreten der typischen Symptome mit Ihrem Arzt oder Apotheker zu sprechen.